
Zwischen Erinnerung und Verantwortung – Unser Besuch in Hartheim
Dort nahmen wir an einer Führung sowie an einem spannenden Filmworkshop teil, der von „Culture Connected“ gefördert wurde.
Zu Beginn erhielten wir eine Einführung durch die Autorin und Filmemacherin Corinna Antelmann, bei der wir Folgendes erfuhren: Ursprünglich wurde Schloss Hartheim als Renaissance-Schloss erbaut und diente ab dem 19. Jahrhundert bis 1938 als Wohn- und Pflegeeinrichtung für Menschen mit Behinderungen. Nach dem Einmarsch Hitlers in Österreich wurde das gesamte Eigentum an den „Reichsgau Oberdonau“ übertragen.
Im Frühjahr 1940 wurde das Gebäude innerhalb weniger Wochen zu einer NS-Euthanasieanstalt im Rahmen der Aktion T4 umgebaut, in der man versuchte, sich „unproduktiver“ Menschen zu entledigen. Die bisherigen Bewohner*innen wurden zunächst in andere Pflegeanstalten verlegt – viele von ihnen wurden später die ersten Opfer der Tötungsanstalt Hartheim.
Im Mai 1940 begannen die Morde in der Gaskammer mittels Kohlenmonoxid. Zwei Ärzte leiteten die Tötungsanstalt. Für einen reibungslosen Ablauf wurden Pfleger*innen, Bürokräfte, Kraftfahrer und viele weitere Personen eingesetzt, die für die Organisation und Tarnung der Tötungen zuständig waren. Menschen mit Behinderungen wurden mit Bussen aus anderen Pflegeanstalten nach Schloss Hartheim gebracht, wo sie innerhalb von vier Stunden getötet wurden.
So wurden rund 30.000 Menschen mit körperlichen, geistigen sowie psychischen Erkrankungen im Schloss ermordet. Nach der Einstellung der „Aktion T4“ wurde die Gaskammer weiterhin zur Ermordung von arbeitsunfähigen Häftlingen aus Konzentrationslagern sowie von Zwangsarbeiter*innen aus Osteuropa genutzt. Zur Jahreswende 1944/45 wurden Rückbauarbeiten durchgeführt, da nichts mehr an die Geschehnisse erinnern sollte.
Seit 2003 wird Schloss Hartheim als Lern- und Gedenkort genutzt. Es dient als Gedenkstätte und regt die Besucher*innen in einer eindrucksvollen Ausstellung dazu an, über den „Wert des Lebens“ nachzudenken.
Am zweiten Tag waren wir selbst gefragt. Unsere Aufgabe bestand darin, einen Film zum Thema „Wert des Lebens“ oder zur Funktion des Schlosses während der NS-Zeit zu drehen. Das Ergebnis eines langen Drehtags waren zwei interessante und detailreiche Filme, die unsere Emotionen und Gedanken zur grausamen Geschichte des Schlosses während der NS-Zeit widerspiegeln.
Der Workshop sollte uns helfen, die Geschichte der „Tötungsanstalt Schloss Hartheim“ kennenzulernen und uns mit der Frage nach der „Wertigkeit von Leben“ auseinanderzusetzen. Insgesamt war es eine sehr wichtige Erfahrung, die uns noch lange in Erinnerung bleiben wird und die uns unsere Verantwortung gegenüber Mitmenschen bewusst macht – insbesondere gegenüber jenen, die als wirtschaftlich „unproduktiv“ gelten, aber dennoch wertvolle Mitglieder unserer Gesellschaft sind.
Ben Winkler-Zach

